Dienstag, 20. September 2016

"Auf Null" - Catharina Junk

Kindler Verlag, 2016
19,95 Euro

Handlung:

Gesund – aber nicht geheilt. Das ist Ninas Diagnose nach überstandener Leukämie.
Für die Zwanzigjährige klingt das wie: Freu dich bloß nicht zu früh. Ohnehin hat die Krankheit alles verändert. Mit ihrer besten Freundin Bahar ist sie zerstritten, ihr Bruder ist streng gläubig geworden, und Nina würde eher einem Hütchenspieler vertrauen als ihrem eigenen Körper. Dann lernt Nina Erik kennen und ist schneller in ihn verliebt, als ihre Angst vor einem Rückfall es erlaubt. Aber wie soll Liebe funktionieren, wenn einem der Mut zum Leben fehlt?



Meine Meinung:
Ganz ehrlich? Eigentlich hätte ich dieses Buch wohl wahrscheinlich nie in die Hand genommen, zumindest nicht zum Lesen über die Inhaltsangabe hinaus. Warum? Weil ich für gewöhnlich einen Bogen mache um Bücher, in denen es um kranke Menschen geht, die von ihrer Krankheit und ihrer Leidensgeschichte erzählen. Vielleicht bin ich da zu kleinkariert, zu verbohrt oder zu naiv - aber ich will so etwas nicht lesen. Ich habe jeden Tag beruflich genug mit Sorgen und Nöten von Menschen zu tun, da brauche ich das nicht auch noch als Lektüre in meiner Freizeit.
Aber "Auf Null" habe ich als Leseexemplar zugeschickt bekommen - zum Glück! Denn was hätte ich nicht alles verpasst, wenn ich dieses Buch wegen meiner bisherigen Einstellung nicht gelesen hätte. Einige abwechslungs- und emotionsreiche Lesestunden auf jeden Fall. Es ist immer schwierig, über eine Lebensgeschichte zu urteilen, die jemand wirklich so erlebt hat und die in Worte in ein Buch gefasst wurde. Und noch schwieriger ist es, zuzugeben, dass ich mich bei dieser Geschichte sehr gut unterhalten gefühlt habe - und das bei diesem Thema! Aber es ist fast nicht zu glauben, mit welcher Leichtigkeit, mit welchem Sarkasmus, Ironie und Witz Catharina Junk über Leukämie und ihre Konsequenzen, wenn man sie (vermeintlich) überwunden hat, schreibt. Ich habe mir hier abwechselnd beim Kichern, lauthals Rauslachen und plötzlichen Tränen in den Augen zugeschaut. "Auf Null" wurde innerhalb eines Tages von mir verschlungen, weil ich erstens nicht aufhören konnte angesichts dieses Schreibstils, den man einfach nur klasse (weil ehrlich und unverblümt) finden kann, und weil ich zweitens unbedingt wissen wollte, wie Ninas Geschichte hier im Buch weitergeht. Auf jeder Seite habe ich mir ihr gelitten, habe den Kopf geschüttelt über diese Dramatik, die eine Krebskrankheit unweigerlich mit sich bringt. Habe geweint. Ich habe aber ebenso mit ihr gelacht, habe mich so in sie hineinversetzt gefühlt bei manchen Gedanken, dass ich fast gedacht habe, dieser Satz hätte auch von mir sein können. Für ihre Ehrlichkeit, für ihre Fähigkeit, dieser ganzen Sache noch mit soviel Sarkasmus und beißender Ironie zu begegnen und sie in Worte zu packen, kann ich Catharina Junk nur beglückwünschen. Und ihr zugleich Danke sagen, denn "Auf Null" wird mir eine ganze Weile im Kopf bleiben, definitiv als Lesehighlight.

Donnerstag, 15. September 2016

"Das Buch vom Meer" - Morten A. Stroksnes

Deutsche Verlagsanstalt, 2016
19,99 Euro

Lese-Bingo: Ein Buch mit mehr als 350, aber weniger als 400 Seiten


Handlung:
Zwei Freunde in einem kleinen Boot, die sich einen lang gehegten Traum erfüllen: Aus den Tiefen des Nordatlantiks wollen sie einen Eishai ziehen, jenes sagenumwobene Ungeheuer, das sich nur selten an der Oberfläche zeigt. Während sie warten, branden wie Wellen die Meeresmythen und Legenden an das Boot, und Morten A. Strøksnes erzählt von echten und erfundenen Wesen, von Quallenarten mit dreihundert Mägen, von Seegurken und Teufelsanglern. Von mutigen Polarforschern, Walfängern und Kartografen und natürlich vom harten Leben an arktischen Ufern, vom Skrei, der vielen Generationen das Überleben auf den Lofoten sicherte, von der Farbe und dem Klang des Meeres. Eine salzige Abenteuergeschichte über die Freiheit und das Glück, den Naturgewalten zu trotzen – und ein atemberaubendes Buch, das uns staunen lässt über die unergründlichen Geheimnisse des Meeres.


Meine Meinung:

Puh, was soll man zu diesem Buch sagen? Große Ziele schwach umgesetzt. Ich habe mich - zugegeben - von den vielen positiven Meinungen und Rezensionen verleiten lassen, dieses Buch auch lesen zu wollen. Mein Fazit ist aber leider wenig positiv. Vielleicht ist es auch mein Fehler und ich habe das Wörtchen "Abenteuergeschichte", das irgendwo auf dem Buchdeckel abgedruckt stand, zu wörtlich genommen und wohl zu große Erwartungen entwickelt.

Denn es ist mitnichten eine Abenteuergeschichte, vielmehr handelt es sich um ein Sachbuch, in das ab und zu eine kleine Geschichte eingestreut wurde. Leider zu selten. Für mich hat sich das ganze unglaublich gezogen und mich gelangweilt, sodass ich nach etwa einem Drittel des Buches angefangen habe, nur noch querzulesen und manche Absätze ganz übersprungen habe - für mich als Viel-Leserin eigentliche in No-Go!
An sich mag ich Bücher, bei denen man etwas lernt, bei denen auf unaufdringliche Art und Weise Informationen über eine Geschichte hinaus vermittelt werden und bei denen man nach dem Lesen das Gefühl hat, vielleicht ein bisschen schlauer geworden zu sein. Das Problem hier ist, dass es nicht eine einzige Seite mit rein erzählender Geschichte gibt, sondern der Autor alle paar Sätze abschweift und mit irgendwelchen historischen, naturwissenschaftlichen oder allgemein populären Informationen und Fakten nur so um sich wirft. Ständig verfällt er in einen belehrenden Professorenton, nimmt dadurch jegliches Tempo aus der Geschichte und verliert sich in irgendwelchen Anekdoten, die in, am oder auf dem Meer passiert sind. Dadurch hatte ich schnell das Gefühl, er würde ständig "klugscheißen" - und ... nun ja, niemand mag Klugscheißer.
Es ist schwierig; ich rechne dem Autoren sein Wissen und seine Leistung, all das in ein Buch verpackt zu haben, schon sehr hoch an - das muss man erstmal schaffen, sich so ein Wissen anzulesen. Er ist ein wandelndes Meeres-Lexikon.
Aber ich hätte mir einfach insgesamt mehr Spannung und Kurzweiliges gewünscht. Mal mehr Handlung als solche. Nicht immer den belehrenden und ermüdenden Ton. Dann wäre mir "Das Buch vom Meer" vielleicht nicht als so unsäglich langwierig und langweilig im Kopf geblieben.


Samstag, 10. September 2016

Wieder da!

Hallo ihr!
Hier herrschte einige Tage lang absolute Funkstille, was daran lag, dass ich im Urlaub war. Und danach - naja, ich sag es mal so: ich hatte überhaupt keine Lust auf Internet. Ich hab um meinen Blog, um eure Blogs, um Facebook & Co. einen großen Bogen gemacht und nur dann und wann man meine Emails gecheckt. Ich glaube, ich werde dieses minimalistische Internetverhalten auch noch eine Weile beibehalten, denn irgendwie nervt mich dieses Online-Sein und das damit verbundene Gefühl, man könnte etwas verpassen, wenn man mal nicht nachschaut. Ich kann das nicht wirklich erklären, es ist nur so, dass es sich echt gut anfühlt, wenn man mal einige Tage lang seinen Laptop überhaupt nicht hochfährt und auch das Handy tatsächlich mal nur zum Telefonieren benutzt. 

Aus dem Grund streiche ich kurzerhand auch mein Vorhaben, hier draus einen Monatsrückblicks-Post für den August zu machen. Eigentlich wollte ich zusammenfassen, was ich so gelesen habe. Aber nö, ich lasse das spontan. Ich hab im August ne ganze Menge gelesen, auch vieles sehr gutes; besonders im Kopf geblieben (und das Herz erwärmt) ist mir "Die (beinahe) größe Liebesgeschichte der Welt" von Sarvenaz Tash. 
Eine Rezension gibt es dazu bisher nicht, aber vielleicht wird es die auch nie von mir geben. Denn auch das habe ich mir als Vorsatz genommen: ich werde mich nicht mehr selbst stressen, wenn es um Rezensionen und Posts geht. Keine Entschuldigungen mehr, wenn ich hier wochenlang echt keine Beiträge auf dem Blog bringe. An sich tut es mir Leid, wenn ich das hier so schleifen lasse; ich habe das mit dem Bloggen immer gern gemacht und mache es auch jetzt noch. Aber eben nur noch dann, wenn mir danach ist. Das habe ich mir vorgenommen, weil mich dieses Bloggebilde sonst überrollt und mir ständig ein schlechtes Gewissen macht. Ich weiß, dass sich "i am bookish" in den Jahren sehr verändert hat. Vor 2 oder 3 Jahren war ich noch mit vollem Feuereifer dabei, habe verschiedene Blogrubriken gehabt und hier ziemlich oft von mir hören lassen. Aber das ist 3 Jahre her und ich kriege das heute gar nicht mehr so hin. Zum einen zeitlich, zum anderen fehlen mir - ich gebe es ganz ehrlich zu - die Ideen und oft leider auch die Motivation. Insofern bleibt der Blog erhalten, aber meine Beiträge werden sicher generell weniger werden. Aufgeben möchte ich den Blog (noch) nicht, dafür hängt für mich letztlich doch noch zuviel drin und dran. 

Ich hoffe, ihr hattet eine schöne Lesezeit. Gab es bei euch im August denn Lese-Highlights, von denen man wissen sollte? :)

Sonntag, 21. August 2016

"Bär im Boot" - Dave Shelton

Carlsen Verlag, 2013
14,90 Euro



Handlung:
In dieser Geschichte geht es um einen Bären. Und um ein Boot. Eines Tages steigt ein Junge in das Boot. Das Boot heißt Harriet. Der Bär rudert los, schließlich ist er ja der Kapitän. Zwischendurch kocht er Tee. Zur Tee-Zeit natürlich. Der Bär und der Junge spielen „Ich sehe was, was Du nicht siehst.“ Da sie nur von Meer und Himmel umgeben sind, ist die Motivwahl sehr eingeschränkt. Sie rudern weiter. Sie essen Sandwiches. Außerdem begegnen sie einem Seeungeheuer, einer Meerjungfrau und erleiden insgesamt dreimal Schiffbruch (dabei geht leider auch Harriet hops). Mehr soll hier nicht verraten werden. Aber am Ende gibt es einen Sonnenuntergang. Ach ja: Diese Geschichte enthält den gefährlichsten Sandwich der Welt. Das kann man sich nicht entgehen lassen!



Meine Meinung:
Nachdem ich "Bär im Boot" ausgelesen hatte, habe ich etwas gemacht, was ich sonst nicht mache, wenn ich ein Buch beendet habe. Ich habe mir andere Rezensionen dazu durchgelesen, um herauszufinden, wie andere Leser das Buch fanden. Ob sie es genial fanden. Inhaltslos. Mittelmäßig. Oder fantastisch. Denn ich ... wusste das nach dem Lesen überhaupt nicht. Ich habe die letzte Seite zugeklappt und konnte wirklich absolut nicht sagen, was ich von diesem Buch halten sollte.
Mittlerweile habe ich ein bisschen abgewartet, aber auch jetzt fällt es mir schwer, eine Meinung zu dieser Geschichte von einem Bär und einem Jungen im Boot zu formulieren. Vielleicht sollte ich damit anfangen, dass ich die Aufmachung des Buches (sieht äußerlich herrlich abgegriffen und mitgenommen aus, wie eine oft benutzte Landkarte, die Kanten sehen wie abgeschrubbelt und die Ecken angestupst aus, ein Kaffeetassenrandfleck ist zu sehen) ganz toll und die Illustrationen im Buch einfach wunderbar finde. Die treffen das Geschriebene immer genau auf den Punkt und machen die ganze Geschichte zu einem Augenschmaus. Ich glaube, diese Illustrationen waren es auch, die dazu führten, dass ich doch immer weiter gelesen habe, obwohl die Frage, was das hier eigentlich für eine Geschichte werden soll, in meinem Kopf immer lauter wurde. 
Denn tatsächlich passiert an Handlung überhaupt nicht viel. Die beiden, Bär und Junge, sind rudernderweise auf einem Meer unterwegs. Mehr nicht. Partiell habe ich mich an "Warten auf Godot" von Samuel Beckett erinnert gefühlt, denn auch hier steuern die Protagonisten ja irgendwie auf ein ... Nichts zu. Ähnlich geht es hier zu, und ich muss gestehen, hier und da wies die Geschichte ein paar Längen für mich auf. Und warf für mich zuviele Fragen auf, die der Junge im Buch einfach nicht gestellt hat - was mich wahnsinnig gemacht hat. Philosophische Ansätze sind dadurch erkennbar und auch gut gemacht, ohne aufdringlich oder belehrend zu sein. Vielmehr denkt man sich an mancher Stelle "Ja, stimmt eigentlich." Die zweite Hälfte des Buches wird insgesamt etwas actionreicher, es passiert einiges; zugleich wird aber alles auch verworrener und vor allem trauriger. Mir zumindest ging es so, dass mir am Ende völlig zum Heulen zumute war und ich mich wirklich gefragt habe, warum Dave Shelton so eine Geschichte geschrieben hat, wenn man so aus dem Lesen rausgeht. So ratlos, planlos, hoffnungslos. 
Und da bin ich eben am Grübeln, ob es nur mir so geht. Ob ich irgendeinen wesentlichen Punkt beim Lesen (beim Verständnis) verpasst habe. Ich weiß nach wie vor nicht, wie ich dieses Buch finden soll...

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