Freitag, 10. Juli 2015

"Driving Phil Clune" - Susanne Fuß

Tredition, 2015
11,50 Euro als Taschenbuch



Handlung:
Taxifahrer Herbert hat einen Traum: Er möchte einmal einen Hollywood-Star in seinem Taxi befördern, um etwas Glanz in sein ansonsten freudloses Leben zu bringen. Statt eines Stars landet jedoch nur Herberts unter Persönlichkeitsstörung leidender Bruder Harry in seinem Wagen, der nicht zuletzt durch seine Krankheit großes Talent zeigt, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Aus einer Notlüge entsteht die Idee, Harry als den berühmten US-Schauspieler Phil Clune auszugeben. Bei Herbert melden sich daraufhin viele Kollegen, die für die Vermittlung des vermeintlichen Stars als Fahrgast erkleckliche Summen bezahlen. Das Geschäft brummt. Doch die Situation verkompliziert sich schlagartig, als der echte Phil Clune in Berlin zu Dreharbeiten eintrifft. Die darauf folgenden, vielfältigen Verwechselungen führen am Ende alle Beteiligten zu einem rasanten Finale auf der „German autobahn" - jeden auf der Suche nach seinem ganz persönlichen Stück Freiheit.


Meine Meinung:
Die Autorin hat in diesem Romandebüt eine Verwechslungsgeschichte der besonderen Art vorgelegt. Ganz toll! Eine Art Road-Movie in Deutschland, was nicht allzu weit hergeholt ist, denn immerhin ist Herbert, eine der Hauptfiguren, Taxifahrer. Durch einige Missverständnisse und schicksalhafte Fügungen wird sein Bruder Harry plötzlich zum vermeintlichen Star und muss sich damit den besten und zugleich unbequemsten Konsequenzen stellen, die das prominente Leben mit sich bringen kann, Bewunderung und Entführung inklusive.
Langweilig wird es hier also auf keiner Seite. Vor allem aber ist "Driving Phil Clune" auch bemerkenswert geschrieben. Ausgefeilte, teils verschachtelte Sätze, geschliffene Dialoge - anfangs fand ich diese Art zu schreiben fast ein wenig zu hoch gestochen in dem eher "lockeren" Handlungsrahmen inmitten von Taxifahrern. Aber irgendwann hat mir genau dieser Schreibstil in diesem Kontext extrem gut gefallen, weil er teilweise so beschreibend-nüchtern wirkte. 
Die Story um die Brüder Harry und Herbert ist gespickt mit vielen kuriosen Momenten zum Schmunzeln, die sich vor allem in feinem Wortwitz äußern. Käthe, die Mutter der beiden, ist trotz (oder wegen?) beginnender Demenz eine Wucht und Harry erschien mir als Handlungsträger sehr sympathisch und liebenswert. Für meinen Geschmack hätte alles ruhig noch einen Tick lustiger und absurder sein dürfen, das nur am Rande.
An der Handlung gibt´s sonst nichts zu rütteln. Die Verwicklungen, die einzelnen Episoden, die schnellen Sprünge zwischen Personen und Orten, die merkwürdigen Zufälle und Momente, die die Handlung vorantreiben - das hat irgendwie alles gepasst. An dieser Stelle merkt man, dass die Autorin bewandert ist im Drehbuchschreiben. Denn genau als Filmvorlage könnte sich "Driving Phil Clune" auch bestens eignen; ich zumindest habe beim Lesen richtiges Kopfkino durchlebt. Und das Ende? Herrlich!
"Driving Phil Clune" ist damit beste kurzweilige und lustige Unterhaltung für den Sommerurlaub ebenso wie für verschneite Winternachmittage.


Ein herzliches Dankeschön an die Autorin!!

2 Kommentare:

  1. Huhu :)

    Obwohl die Geschichte als Buch nicht ganz mein Geschmack ist, würde ich mir den Film dazu gern ansehen. Es klingt einfach witzig. ;) Weißt du, ob in die Richtung irgendwas geplant ist?
    Nebenbei: tolle Rezension! :D

    Viele liebe Grüße,
    Elli

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  2. Liebe Elli, hier schreibt die Autorin. Der Roman war ursprünglich ein Drehbuch. Leider habe ich die Story nirgends unterbekommen, was vielleicht auch daran lag, dass Phil Clune im Drehbuch Tom Hanks hieß... Das hat die meisten schon abwinken lassen. Außerdem habe ich von einigen Produzenten gehört, dass sie nur noch Literaturverfilmungen machen. Also gut, dann schreibe ich halt einen Roman. Damit passe ich dann hoffentlich wieder ins Beuteschema, denn auch ich möchte die Geschichte lieber auf der Leinwand sehen... Liebe Grüße Susanne

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